7. März 2016

Grüne Mode: Modern und jung um jeden Preis?

Fashion, slow fashion, eco, sustainable, casual, styles, outdoor, basics, classics, lookbook, collar, apparel, longsleeves, new arrivals, essentials - dies sind nur ein paar Begriffe, die man auf den Seiten deutschsprachiger Hersteller von grüner Mode findet. Man kommt sich teils so vor, als wäre man gar nicht auf der deutschen Version der Seite. Alles ganz modern, von grüner Mode sprechen viele schon lange nicht mehr. 

Vielleicht lese ich in die Verwendung dieser Begriffe auch zu viel hinein, doch manchmal wirkt es fast so, als sei der schöne und trendige Schein wichtiger ist als das, was dahinter steht. Da richten sich traditionelle Unternehmen neu aus und scheinen die Kundschaft, die sie groß gemacht haben, glatt zu vergessen. 

Am Wochenende war ich auf dem Lagerverkauf eines dieser traditionellen Unternehmen und habe sehen können, wie denn die Kundschaft so aussieht. Recht bodenständig, meist entspannt gekleidet, viele Erdtöne, teils schick, teils alternativ, insgesamt durch die Bank ansprechend angezogen. Die neue Ausrichtung des Unternehmens scheint an dem Großteil dieser Kunden vorbeizugehen, klar, neue Märkte sollen erschlossen werden, neue Kunden müssen gewonnen werden. Und ich finde es super, wenn gerade jüngere Kunden erkennen, dass grüne Mode ganz viel kann, dass grüne Mode viele Gesichter hat, dass für jeden etwas dabei ist.

Eine zahlungskräftige Kundschaft um die 30, die gerne im Internet einkauft, mitten im Leben steht und hohe Ansprüche hat, scheint eine der großen Zielgruppen zu sein. Leute die cool und vor allem trendig sein wollen. Doch wo bleiben die anderen Kunden?

Neue Kunden zu gewinnen ist schön und gut, aber bitte nicht dadurch, dass man seinen alten vor den Kopf stößt, sie nicht mehr anspricht, den Internetauftritt an ihnen vorbei gestaltet, sie fast schon als altbacken und altmodisch hinstellt. Und bitte nicht dadurch, dass wichtige, kritische Themen in den Hintergrund treten und nicht mehr offen thematisiert werden.

Meinen persönlichen Geschmack treffen vor allem die Unternehmen, die Inhalte in den Mittelpunkt stellen, die nicht jedem neuen Trend hinterherlaufen, die das Spagat zwischen frischem Erscheinungsbild, moderner Mode, einem ökologischen Bewusstsein und altbewährten Tugenden wagen und schaffen. Die neue Kunden ansprechen ohne alte vor den Kopf zu stoßen. Die sich nicht hinter Begriffen verstecken, die so eigentlich niemand braucht. Denn was bitte spricht gegen: Mode, grüne Mode, nachhaltig, Klassiker, neu eingetroffen, und, und, und. 

PS: Gegen die Verwendung englischer Begriffe habe ich prinzipiell gar nichts, aber bitte nur, wenn sie wirklich Sinn machen, wenn man sie wirklich braucht, wenn sie wirklich ein Mehr an Aussagekraft bieten.

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