31. August 2016

Ohne ein Bild existiere ich gar nicht mehr

Vor einigen Tagen habe ich im Fernsehen einen Satz gehört, der mich sehr nachdenklich gestimmt hat. Im Rahmen von frautv auf einsfestival sagte Sigrid Börse etwas wie (nicht der genaue Wortlaut)

Ohne ein Bild existiere ich in bestimmten Bereichen der Social Media gar nicht mehr.

Das fasst und beschreibt nicht nur die Selfie-Kultur, sondern allgemein vieles, was online so passiert, treffend zusammen.  

Bilder von uns selbst, egal ob Selfie, Bild der Beine mit thigh gap oder ähnlichem, Bilder mit Stars, Bilder an besonderen Orten und so weiter, solche Bilder sind überall und sie sind zu einer Art Währung geworden. Und nur mit der richtigen Währung kannst du im Gegensatz Aufmerksamkeit, Likes und generell Bestätigung bekommen. Nur mit der richtigen Währung gehörst du dazu, kannst du am Social Media Leben teilnehmen.

Ich bin mittlerweile sehr vorsichtig geworden Bilder von mir selbst online zu veröffentlichen. Bilder von meinen Outfits ja, aber ohne Hohlkreuz und komische Beinstellung um schlanker zu wirken, vor allem auch Bilder ohne mein Gesicht. Schlechte Erfahrungen und ein allgemeines Umdenken bezogen auf die Welt online haben mich zu diesem Schritt veranlasst. Auch habe ich festgestellt, dass Komplimente online oft nur leere Worte sind, die mich nicht nachhaltig positiv bewegen. 

Ich stelle mir das Leben als junger Mensch, vor allem als junge Frau und Mädchen, in einer Welt, in der

Ohne ein Bild existiere ich in bestimmten Bereichen der Social Media gar nicht mehr.

gilt, als sehr kalt und anstrengend vor. Ist man immer auf Bestätigung von außen angewiesen, hungert sich dünn und kann aufgrund des Körperbaus doch nie eine thigh gap erreichen, muss man immer mehr von sich Preis geben um gemocht zu werden, dann bleibt von einem selbst nicht mehr viel übrig. 

Doch was tun? Wie das Selbstbewusstsein von jungen Menschen stärken, ihren Blick auf Social Media so verändern, dass sie nicht jeden Mist mitmachen wollen, dass sie auch mal kritisch Dinge bewerten? Ich weiß es leider nicht. Miteinander reden, reale Vorbilder sein, als Erwachsener auch nicht ständig am Smartphone kleben, Alternativen aufzeigen, Beschäftigungen außerhalb der Online-Welt unternehmen, zusammen sein und ganz bewusst Grenzen ziehen und darüber reden, mehr fällt mir dazu nicht ein. 

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