9. Dezember 2016

Capsule Wardrobes: Frierst du eigentlich nicht?

Ich selbst finde Capsule Wardrobes zwar interessant, verwende dieses Prinzip persönlich aber nicht, da es nicht zu mir passt. 

Ich will nicht nach Jahreszeit meine Kleidung umsortieren, will immer alles in einem Schrank haben, immer alles im Blick, will mich nicht an Zahlen orientieren, die nichts mit meinem Leben zu tun haben.

Und doch sehe ich Capsule Wardrobes durchaus als gutes Hilfsmittel um einen bewussteren Zugang zu Konsum zu bekommen, um damit zu experimentieren, was man wirklich braucht und was nicht. 

Leider sind Capsule Wardrobes teils zu einem Lifestyle-Trend verkommen, der sich gut verkaufen lässt, aber nur noch wenig Inhalt hat. Der tiefere Sinn der Capsule Wardrobes scheint nach und nach verloren zu gehen. 

Denn es geht natürlich nicht darum alle drei Monate die komplette Garderobe einmal auszutauschen, dann wie verrückt zu kaufen und im Endeffekt vielleicht noch mehr zu konsumieren als zuvor. Es geht um weniger, besser, länger. Es geht um den Fokus auf das Wesentliche. Es geht um Herstellungsbedingungen, um Materialen, deren Herkunft und ähnliches. Es geht um zu viel um daraus eine schöne, aber inhaltslose Show zu machen. 

Aber natürlich sind auch viele noch mit Verstand und Herz dabei, teilen Tipps wie man mit weniger Kleidung gut zurecht kommt, zeigen ihre Kleiderschränke und Outfits. Hier schaue ich nach wie vor gerne hin, lasse mich vielleicht auch inspirieren oder auch einfach nur gut unterhalten. 

Doch eine Frage drängt sich mir gerade diesen Winter immer mehr auf: 

Frierst du eigentlich nicht?

Da sehe ich Capsule Wardrobes von Leuten, die mit Temperaturen um 0°C oder kälter leben. Und der Großteil der Oberteile ist aus dünnen, nicht besonders wärmenden Materialien. Da kann mir auch keiner erzählen, dass das Schichten von drei dünnen Baumwollteilen so viel bringt, dass ich ohne Probleme das Haus verlassen kann. Da frage ich mich schon, ob hier nur die halbe Wahrheit gezeigt wird. 

Meine Sommerteile werden durch das Ergänzen von 3-4 warmen Kleidungsstücken nicht zu einer vollwertigen Garderobe für den Winter, auch wenn mir das so in den letzten Wochen öfter online erklärt wurde. Da reichen zwei dünne Strickjacken und zwei Pullover längst nicht aus um den Wandel von warm auf kalt zu vollziehen. Egal ob draußen oder zu Hause, da muss mehr her. Und ja, ich bin eine Frostbeule, aber auch anderen in meiner Umgebung geht es nicht viel anders. 

Und apropos zu Hause, warum zeigt diese Klamotten eigentlich niemand? Was ist so schlimm an Jogginghosen und warmen, weiten Pullovern? Sind die nicht cool genug? Ist doch egal, ob sie den vorgeschlagenen Rahmen für Capsule Wardrobes sprengen, sie sind da und sollten auch gezeigt werden. 

Ich fühle mich auf jeden Fall nicht schlecht, weil ich wesentlich mehr Winterteile habe als manch andere. Lass mir kein schlechtes Gewissen einreden, weil die Tops aus dem Sommer im Winter so gut wie nicht eingesetzt werden. 

Meine Garderobe ist geschrumpft, ich besitze nur noch das für mich Wesentliche und achte bei jedem neuen Teil auf die Geschichte dahinter, auf die Arbeit und Materialien, die in ihm stecken. In den Rahmen von Capsule Wardrobes passt meine Kleidung trotzdem nicht, damit kann ich mittlerweile sehr gut leben. 

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