5. Februar 2017

#girlboss: Ich bin kein Mädchen mehr und will es auch nicht sein!

Vor ein paar Tagen habe ich endlich #girlboss gelesen. Das Buch stand schon länger auf meiner Leseliste, kaufen wollte ich es mir allerdings nicht. Glücklicherweise konnte ich das Buch als eBuch über die Onleihe ausleihen. 

Das Buch wurde 2016 enorm gehypt, auf Instagram, Blogs und Youtube sprachen auf einmal viele Frauen davon ein #girlboss zu sein, den Hashtag sah und sieht man überall. Ich erwartete vom Buch daher die Geschichte einer Frau, die etwas Großes erschaffen hat, die sich durch harte Arbeit etwas aufgebaut hat, die ein starkes Vorbild für andere Frauen sein könnte. 

Darauf bezogen haben sich meine Erwartungen auch durchaus erfüllt, allerdings hinterließ die Lektüre von #girlboss bei mir zusätzlich einen ziemlich faden Beigeschmack. Ja, Nasty Gal war zwischenzeitlich sehr erfolgreich, aber auf wessen kosten? Sucht man in Verbindung mit der Marke nach Begriffen wie fair, eco, öko, dann findet man nichts. Was, wie und von wem produziert wird, scheint nicht wichtig zu sein, mehr muss ich dazu nicht wissen. 

Auch störte mich das ständige Eigenlob der Autorin, gefühlt jeder fünfte Satz feierte sie selbst, für andere Inhalte und handfeste Tipps blieb da nur wenig Raum. #girlboss ist Sophia Amoruso, bewerte ich das Buch, muss ich in diesem Fall zwangsläufig die Person dahinter miteinbeziehen. 

Auch die Einstellung der Autorin zu den Themen Glück und Feminismus ließ mich stocken, harte Arbeit alleine reicht für viele eben nicht aus. Wenn man nicht in der Lage ist das zu verstehen, gibt mir das zu denken. 

Dazu kamen einige Widersprüche, der Versuch sich ständig cool anzuhören, mangelnde Wertschätzung anderen gegenüber, sowie seichte Ratschläge. Das alles in Kombination sorgte dafür, dass ich das Buch ziemlich enttäuscht beendete. 

Auch wenn ich das Buch mies fand, so macht mich alles drumherum viel trauriger. Warum wird eine Opportunistin wie Sophia Amoruso von anderen Frauen so gefeiert? Warum soll ich auf einmal ein #girlboss sein wollen? 

Ich bin eine erwachsene Frau, kein Mädchen. Ich weiß, dass Erfolg alleine nichts aussagt, dass Zahlen alleine nichts wert sind. Warum soll ich jemanden feiern, der eine weitere fast fashion Marke etabliert hat (zumindest für ein paar Jahre), die auf dem Rücken von Natur und Näherinnen Profit macht? Was in aller Welt ist daran cool? Warum nicht mal den Kopf einschalten, bevor man andere in den Himmel hebt? Warum nicht selbst nachdenken und hinter die Fassade schauen?

Wer sich mit dem Titel #girlboss schmückt, sagt damit viel über sich selbst aus, vor allem wenn es in Verbindung mit Menschen wie Sophia Amoruso geschieht. Sucht man Vorbilder im Bereich der Mode, so findet man sie ohne Probleme in der Ökomode. Frauen, die alleine oder zusammen, Geschäfte aufgebaut haben, oft ohne viel Unterstützung, aber mit ganz viel Engagement und guten Ideen. Und mit ganz viel Respekt für Natur und Mensch. 

Mode muss nicht auf dem Rücken anderer produziert werden, Erfolg muss nicht zwangsläufig mit Opportunismus einhergehen. Erfolg lässt sich in mehr messen als Zahlen und Gewinn. Es geht auch anders, das hört sich dann vielleicht nicht so cool an, ist aber wertvoller und nachhaltiger als ein #girlboss zu sein. 

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