9. Februar 2017

Update: Und schon ist die Aktion gestoppt!!! Neue Bauernregeln: Warum sie wichtig sind und uns alle etwas angehen (Umwelt, Konsum, bio)

Update vom 10.01.2017
Und schon ist die Aktion gestoppt, die Ministerin entschuldigt sich dafür die Wahrheit gesagt zu haben und die Seite mit den neuen Bauernregeln ist verschwunden. Als Verbraucher kann ich da nur sagen: Jetzt erst recht!

Lasst uns kritischer werden und nicht für dumm verkaufen, die Bauernregeln kursieren online noch, sucht nach ihnen, lest sie durch, informiert euch über die Probleme und stimmt mit dem Geldbeutel ab. Jetzt erst recht!

Lasst uns an die betreffenden Ministerien schreiben und unsere Bedenken mitteilen. Unsere Stimmen haben Gewicht, allerdings nur dann, wenn wir sie auch einsetzen. Jetzt erst recht!

Ursprünglicher Text:
Vor einigen Tagen hat das BMUB (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit) eine interessante Kampagne gestartet, es gebt um neue Bauernregeln, die inhaltlich alle mit aktuellen Problemen der Landwirtschaft zu tun haben. Egal ob Tierhaltung, Nitratbelastung oder ähnliches, recht locker werden die Probleme angesprochen, wird klar gemacht, warum z.B. die Massentierhaltung etwas mit unserem Trinkwasser zu tun hat. Und warum uns das alle etwas angeht. 

Ich finde diese neuen Bauernregeln äußerst gelungen, denn sie sind einprägsam, sprechen auf eine lockere Art und Weise ernste Themen an und haben als Folge, dass sich der Bauernverband und der deutsche Landwirtschaftsminister selbst demaskiert haben. 

Gegen die Aktion und die Bundesumweltministerin Hendricks selbst wird gewettert, es wird unter die Gürtellinie geschlagen, teils kann man von blankem Hass reden, sogar ihr Rücktritt wird gefordert, ihr wird jegliche Kompetenz abgesprochen, zumindest von einem Teil der Vertreter der konventionellen Landwirtschaft. Dabei hat sie ja eigentlich nur ihren Job gemacht. 

Die neuen Bauernregeln beinhalten keinerlei Lügen, sie basieren auf Fakten. Ja, sie stellen Zusammenhänge etwas vereinfacht dar, verfälschen dabei aber nichts. Und doch ist das Geschrei groß. Man will eben nicht, dass mehr Leute über die Zustände in der deutschen Landwirtschaft nachdenken, über die Belastung, die sie uns durch Nitrate, Glyphosat und Co. allen aufbürdet. Man will den Konsumenten nicht aufschrecken, kritische Nachfragen sind nicht erwünscht. 

Man will nicht mit der Zeit gehen, sich keinen Millimeter Richtung Naturschutz bewegen, denn gerade für die Großen der Branche läuft es ja eigentlich noch ganz gut. 

Ich bin auf einem Bauernhof groß geworden, beide Großeltern lebten von konventioneller Landwirtschaft, eine Seite setzte auf Schweine, die andere auf Milch. Ich bin auf Schleppern groß geworden, bin mit Tierhaltung und Feldarbeit aufgewachsen, weiß, wieviel Arbeit in beidem steckt, dass es für kleine bis mittlere Betriebe nicht einfach ist. 

Weiß auch, dass sich seit damals in der konventionellen Landwirtschaft nicht genug bewegt hat. Schweine haben heute ein paar Zentimeter mehr zur Verfügung, dafür gibt es dank Züchtung manchmal mehr Ferkel als Zitzen, was zur Tötung der überflüssigen Ferkel führen kann (dazu gibt es grausame Filmaufnahmen). Kühe werde oft in offenen Ställen gehalten, dafür sind ihre Euter mittlerweile so groß, dass das Laufen schwierig wird. Die Belastung mit Nitrat und anderen Substanzen ist nach wie vor ein großes Problem, teils ist es sogar schlimmer geworden. 

Landschaftselemente wie Hecken sind nahezu verschwunden, Blühstreifen sind nur zu sehen, wenn sie vorgeschrieben sind, Monokultur soweit das Auge reicht, immer größere Traktoren, immer mehr Technik und teurere Maschinen. Immer mehr Flächen zum Anbau von Sprit, Lebensmittelexporte nach Afrika, die den dortigen Markt in die Knie zwingen, eine immer größere Abhängigkeit von den großen Saatgutherstellern, Düngerherstellern und anderen Riesen der Branche. Für den Boden, das eigentliche Lebenselixier der Landwirtschaft, wird viel zu wenig getan. 

Auch heute lebe ich auf dem Land und sehe, wie es in der konventionellen Landwirtschaft zum Teil zugeht. Belastung des Wassers mit Nitrat ist ein großes Thema, das uns noch teuer zu stehen kommen wird. Auch andere Substanzen sind problematisch. Wird auf den Stücken vor meinem Wohnort mit Glyphosat und ähnlichem gearbeitet, dann treibt es der Wind teils ins Ort, dann brennt die Luft unangenehm, dann bleibt das Fenster lieber geschlossen. Beim Einatmen merkt man, dass das etwas nicht stimmt. Von den Rückstanden in Lebensmitteln will ich erst gar nicht anfangen. 

Deswegen kann ich es nicht unterstützen regional in Kombination mit konventioneller Landwirtschaft einzukaufen, obwohl ich natürlich auch weiß, dass es durchaus Ausnahmen gibt. Bio + regional gerne, auch wenn ich die Schwächen der Biosiegel kenne, aber es ist momentan eine der wenigen Alternativen. Selbst versorgen in Bioqualität wäre eine andere Möglichkeit, das war es dann aber auch schon. 

Die Folgen von Massentierhaltung und konventioneller Landwirtschaft gehen jeden etwas an, denn früher oder später bezahlen wir alle dafür. Sei es mit höheren Preisen für Grundwasser, weil das Filtern von Nitrat erforderlich ist, oder anderen Folgen, an die die wenigsten beim Kauf von billigen Lebensmitteln denken. Die zum Teil auch wirklich schwer zu fassen sind, weil zu wenig über sie gesprochen wird. 


Was tun?
  • nicht verzweifeln, jeder einzelne kann etwas bewirken
  • geht mit offenen Augen durch das Leben
  • schaut euch bitte die neuen Bauernregeln näher an
  • lest das Infomaterial des BMUBs auf dieser Seite
  • muss es jeden Tag Fleisch sein? Reichen nicht drei-vier Tage die Woche aus?
  • schaut ab un zu in Sachen wie "Schrot und Korn" (gibt es kostenlos im Bioladen), bei Demeter, dem BUND oder ähnlichem rein, auf manche Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft und den Folgen für unser Leben kommt man nicht von alleine.
  • passt euren eigenen Konsum an: Was muss wirklich sein? Was kann man weglassen um das Geld in bio zu investieren? Informiert euch über die verschiedenen Biosiegel, hier gibt es teils enorme Unterschiede. Demeter hat z.B. viel strengere Regeln als das normale Biosiegel. 
  • unterstützt regionale Biobetriebe wann immer möglich oder auch konventionelle, regionale Bauern, die bewusst anders arbeiten
  • kauft wann immer möglich saisonal ein, ideal ist natürlich: saisonal + bio + regional
  • redet mit anderen über die neuen Bauernregeln
  • zeigt sie euren Kindern, recherchiert gemeinsam, sammelt Infos
  • nutzt die Informationen, die es gibt, hört auf blind Essen zu kaufen
  • schreibt den zuständigen Ministerien, sprecht Lob und Kritik aus, sprecht mit lokalen Vertretern der Politik, eure Stimme hat Gewicht!
  • und, und, und. 


Ich hoffe, dass das BMUB stark bleibt und die Ministerin den Plan durchsetzt den neuen Bauernregeln auf großen Plakaten in zahlreichen deutschen Städten Raum zu verschaffen. Ich ziehe meinen Hut davor, dass man das Projekt umgesetzt hat, obwohl vorher klar war, dass es zu teils massivem Widerstand kommen würde. Vielen Dank dafür, dass durch die neuen Bauernregeln eine Diskussion gestartet wurde, die enorm wichtig ist. 


Links: 
Die neuen Bauernregeln  

Maßnahmen und Projekte rund um "Landwirtschaft für Mensch und Umwelt"  

Brief von Hendricks an Schmidt 

BMUB

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